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Fragen & Antworten

Betreff: Beihilfe zum Suizid

Wirtschaft | | Verfasst von

Frage an Frau Schulz-Asche

Menschliches Leben ist unantastbar. (Das Leben von Tieren sollte es auch sein. Sie sind geistig-körperliche Wesen von ähnlicher Verfaßtheit wie wir Menschen.) Es kann nicht sein, daß ein Gesetz zur erlaubten Suizidmitwirkung von Ärzten verabschiedet wird. Bitte unterstützen Sie meine Haltung dadurch, daß Sie Suizidmitwirkung unter Verbot stellen!
Ich bin Ärztin. Suizidbeihilfe sollte niemals zu meinen Aufgaben gehören dürfen. Dies ergibt sich nicht nur aus einer klaren geschichtlich begründeten Position gegenüber der Tötung von „unwerten“ Leben in der Nazizeit. Würde ich dem Patienten beistehen beim Suizid, würde mich das in meiner eigenen Menschlichkeit beschädigen. Ich würde einerseits kommerziell handeln, weil ich nach der Gebührenordnung für Ärzte abrechnen muß, wenn ich ärztlich tätig bin. Sollte ein entsprechendes Gesetz mir oder anderen Ärzten die Beihilfe zum Suizid gestatten, müßte die Gebührenordnung entsprechend angepaßt werden.
Eine kommerzielle Tötung ist aber immer unstatthaft, selbst bei den Befürwortern der Suizidbeihilfe sollte dies das unumstößliche Paradigma sein, gesetzlich verankert ist das ohnehin. Andererseits würde ich in der Gefahr stehen, mit jeder Suizidbeihilfe oder Mitwirkung zum Suizid das Töten zu meinem Beruf zu machen oder zumindest in dessen Nähe tätig zu werden. Ich habe mich aber entschieden, und das entspricht auch der Haltung, zunächst nicht schädigen zu dürfen als Arzt, daß ich das Leben solange unterstütze, bis der Tod ein unabwendbares Geschehen wird. Dann gehört es zur Würde des Sterbenden, gehen zu dürfen. Tötung auf Verlangen oder Mitwirkung zum Suizid ist für mich eine schauderhafte Grenzüberschreitung, die mit ärztlichem Handeln unvereinbar ist.
Die Weltreligionen lehnen derartiges Tun ab. Aus der philosophischen Position tue ich mir selbst an, was ich anderen antue. Ich töte meine eigene Lebendigkeit und spiele mich zu demjenigen auf, der über Tod oder Leben entscheiden dürfe. Nein! Das dürfen Sie bitte nicht unterstützen.
Mir wäre es unerträglich, wenn andere Ärzte oder ich selbst in den Geruch kämen, sie würden töten oder dazu ermutigen. Beim Patienten kann das leichthin auch Druck entstehen lassen, sich umbringen zu müssen, weil zu kostenintensiv, eine Last für die Angehörigen zu sein etc.
Wenn Sie die Stellungnahmen der Ärzte anhören, die unmittelbar mit Sterbenden zu tun haben, etwa den Palliativmedizinern, lehnen diese alle Suizidmitwirkung ab. Warum? Weil Suizidalität nicht durchgängig ist, weil diese Menschen einfach oft nur Angst haben vor der Unbekannten Tod. Weil sie Angst haben, qualvoll sterben zu müssen. Meist ist es eine Frage der Unterstützung, daß Suizidalität auch wieder abklingt. Als Psychiaterin helfe ich Menschen mit Depressionen und Suizidalität, auch hier ist die Suizidalität oft nur ein Wunsch nach Ruhe vor Qualen. Wenn man diese Menschen anhört und stützt, so läßt die Suizidalität wieder nach. Wir alle müssen einmal Sterben. Die Bewältigung dessen gehört zu unserer menschlichen Verfaßtheit. Jeder Mensch muß den Weg des Sterbens als Entmächtigung akzeptieren. Wir sollten diesen Weg bewußt und irgendwie auch bejahend gehen, solange unser Lebenswille noch vorhanden ist. Denn ohne diesen würden wir sowieso sterben. Dazu braucht es auch keine Giftgaben.
Wenn jemand sich töten will, dann kann er allein die Entscheidung dafür treffen. Mein Großvater etwa hat für sich die Entscheidung getroffen, ab der Erkenntnis, an einer Demenz zu leiden, nur noch eine Scheibe Schwarzbrot täglich zu essen. Dieser Akt stünde jedem frei, ohne daß er sich an anderen vergehen müßte. Wobei ich selbst wünschte, ich hätte die Kraft, mich jeder Krankheit zum Tode so zu stellen, wie dann erforderlich, unter Wahrung meiner eigenen Würde und unter dem Akzeptieren der Krankheit und der Dauer bis zum Tode. Palliativmedizin und andere Hilfen müßten dabei optimiert werden.
Schlecht gemachte Gesetze haben wir zuhauf. Wollen Sie wieder eines verabschieden, das der Überprüfung nicht standhält?
Unterstützen Sie im Parlament die gesetzgeberische Forderung, das menschliche Leben umfassend zu schützen und ein verfassungsrechtlich nicht zu beanstandendes Gesetz zur
Suizidmitwirkung zu verabschieden?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Susanne Hilken