Kinderschutzbund will Edathys Geld nicht – aber warum?

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5.000 Euro für Einstellung des Verfahrens

Sebastian Edathy muss 5.000 Euro zahlen, dann wird das Verfahren wegen seiner Verstrickung in Kinderpornografie eingestellt. Der Kinderschutzbund hat die Annahme des Geldes verweigert.

Das Verfahren gegen den Ex-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) vor dem Landgericht Verden wird eingestellt. Gegen Zahlung einer Summe von 5.000 Euro verlässt er das Gericht als freier Mann, dessen Schuld nicht festgestellt wurde. Für einen Angeklagten, der wegen seiner Verstrickung in Kinderpornografie vor Gericht gestanden hat, kein schlechter Ausgang des Verfahrens.

Zahlungen wie die von Edathy gehen nicht an die Staatskasse, sondern an gemeinnützige Organisationen. Zum Beispiel den Kinderschutzbund, der zunächst das Geld auch annehmen wollte. Doch dann überlegte man es sich anders und lehnt es jetzt ab. Eine Begründung ist nicht bekannt geworden, zumindest keine plausible. Dass die Zahlung ein "fatales Signal" sein könnte, wie der Kinderschutzbund mitteilte, ist jedenfalls wenig überzeugend.

Was immer die Motive sein mögen, lohnt es sich, einen Blick auf die Vergangenheit des Kinderschutzbundes zu werfen – und seine Verstrickung in pädophile Machenschaften. Die Zeitschrift Stern und die Tageszeitung Die Welt haben vorletztes Jahr darüber berichtet, dass die Organisation zeitweilig geradezu von Pädophilen unterwandert war: In den achtziger Jahren waren die Kontakte des Vorstandes zur Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) enger als bis zur Enthüllung durch Stern und Welt bekannt. Und in der AHS tummelten sich so einige Pädophile, die dort ihre Forderungen nach Entkriminalisierung sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern vorbrachten.

Für die AHS-Vorgängerorganisation Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie e. V. (D.S.A.P.) war der Kinderschutzbund ein lohnenswertes Ziel für eine Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit, weil es dort Mitglieder gebe, wie es in einem Papier von 1980 heißt, "die sich mit älteren Veröffentlichungen über 'Sittlichkeitsverbrecher' nicht mehr identifizieren können". Die Folgerung für eine Strategie war klar: "Solche Leute gilt es anzusprechen und aufzuzeigen, dass sexuelle Zärtlichkeiten den Kindern selbstbewusstes Handeln gegenüber seelischer Gewalt ermöglichen."

Und so wurde der Kinderschutzbund gleichsam von Pädophilen unterwandert – oder rannten die Pädophilen dort nur offene Türen ein? Man wollte das Sexualstrafrecht liberalisieren, sich "nicht als bürgerliches Meldesystem, als 'Horchposten' der Sozial-, Polizei- oder Justizbehörden missbrauchen lassen." In Kindern sah man "gleichberechtigte, ebenbürtige, verantwortungsfähige Akteure". Die Pädophilen hatten verstanden; die Opfer sexuellen Missbrauchs bezeichneten den Kinderschutzbund als "Kinderschmutzbund" und als "Täterschutzbund".

Möglicherweise hat man diese Vergangenheit im Sinn, wenn man das Geld von Edathy jetzt nicht haben will. Ein gutes Zeichen, denn die Weigerung deutet auf Scham hin. Dass man sie mit einer etwas allgemeinen Begründung versieht, zeigt allerdings auch, dass die Bereitschaft zur Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit noch nicht so ausgeprägt zu sein scheint. Man hat den Politikwissenschaftler Franz Walter mit der Aufarbeitung beauftragt. Er will seinen Bericht "in ein paar Wochen" vorlegen; der Kinderschutzbund hat versprochen, ihn zu veröffentlichen.