Antwort





Initiative
Betreuungsgeld als Landesleistung jetzt

Unentschiedene

Sehr geehrte Petenten,

sehr gern antworte ich auf Ihr Anliegen, ich durchaus Verständnis dafür habe, dass die von Ihnen geschilderte Situation aus Ihrer persönlichen Sicht für Sie nicht zufriedenstellend ist. Um sachgerecht auf Ihre Petition antworten zu können, habe ich im Ministerium veranlasst, nach den von Ihnen zitierten Studien zu recherchieren.

Die Tatsache, dass das Netz die Möglichkeit eröffnet, auch n z.B. Ministerien durch Petitionen heran zu treten begrüße ich sehr, da mir am direkten Kontakt sehr gelegen ist, dieser aber im Tagesgeschäft häufig zu kurz kommt.

Die vermutlich von Ihnen angesprochene Studie „Study of Early Child Care“ fand bekanntermaßen in den USA 1991 als Längsschnittuntersuchung statt. Sie begann mit über 1300 Kindern im Alter von 0 Jahren und endete mit 293 Kindern als diese zwölf Jahre alt waren. Neben der Frage, ob diese Stichprobe repräsentativ war (tatsächliche Zielgruppe), stellt sich auch die Frage, ob 2015 in Deutschland unter absolut anderen Rahmenbedingungen ähnliche Schlüsse gezogen werden könnten oder auch solche zu schließen sind, wie Ihre Petition beschreibt. Die Kita-Systeme beider Länder sind recht unterschiedlich. Eher kognitiv geprägt in den USA, eher an der sozialen Entwicklung ausgerichtet in Deutschland; Jahrgangsgruppen in den USA, altersgemischte Gruppen in Deutschland; Collesgeabsolventen auf der einen, Fachkräfte auf der anderen Seite. Unter diesen Voraussetzungen sind dann natürlich die Ergebnisse zu bewerten; insbesondere ist der allgemeine Schluss, „Kinder, die in einer Krippe waren/sind“ zeigten Verhaltensstörungen so nicht möglich. Studien aus Australien und Kanada kommen nämlich zum Ergebnis, dass eine valide Korrelation zwischen Qualität der (Krippen-) Betreung und positiven Sozialverhalten existiert. (Zitat fehlt)

Möglicherweise beziehen Sie sich auch auf einen Blogg von DIJG aus 2012, in dem der Kinderarzt Dr. Böhm zitiert wird. Dieser bezieht sich in seinen Ausführungen ebenfalls auf oben genannte Studie, die mittlerweile auch als „Nichd-Studie“ in der Fachwelt eingeordnet wird. (siehe hierzu z.B. im Kita-Handbuch den Artikel von M.R.Tresor: Die „NICHD Study of Early Child Care“ – ein Überblick. Hier werden die Ergebnisse der amerikanischen Studie stark relativiert und insbesondere die Auswirkung von Qualität in der Kinderbetreuung thematisiert. Die Schlussfolgerung Dr. Böhms ist hier explizit nicht, dass die Betreuung in der Familie gesondert finanziert werden solle, sondern, dass er der Bundesregierung empfehle, das Kindeswohl insbesondere in öffentlichen Institutionen besonders zu schützen. Dies geschieht bei uns über natürlich über die Rechts- und Fachaufsicht und ebenfalls insbesondere über einen hohen Qualitätsanspruch an Einrichtungen und Fachpersonal. Genau dieses soll Wirkungen wie Sie sie beschreiben verhindern. Die Korrelation zwischen hoher Qualität, auch insbesondere in der Krippenbetreuung, und dem verbesserten Kindeswohl wird im genannten Handbuch ebenfalls beschrieben. Z.B. liegt SH mit seinem Fachkräfte-Kind-Schlüssel (in der Krippe in SH 1:5) in Deutschland in einer Spitzenposition und ebenfalls führend sind wir im Bereich der Entwicklung und Implementierung von Qualitätsstandards. Zu beiden Themen und zu deren Verstetigung wie zur weiteren Verbesserung stehen wir aktuell in Gesprächen mit den kommunalen Spitzenverbänden ebenso wie mit den verschieden Trägern von Einrichtungen. Weiterhin gibt es im Hause Überlegungen zur Errichtung eines Forschungs- und Beratungsinstituts, das neueste (und auch ggf. eigene) Forschung betreiben und den Einrichtungen und deren Personal qualitativ hochwertig vermitteln soll. Die Bundesregierung finanziert seit 2015 allein in SH über einhundert FachberaterInnen, um Betreuungseinrichtungen und deren Personal weiter zu qualifizieren.

Die uns bekannten neuesten Studien unterstützen den Weg, den wir in SH eingeschlagen haben (z.B. NUBBEK: Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit, Tietze et al., 2012), denn sie beziehen sich ausdrücklich auf die Merkmale der Betreuungsqualität und die Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher (z.B. Bercic & Becker-Stoll, Die Bedeutung konstanter Bezugspersonen in den ersten drei Lebensjahren, 2013). Günstig erschein vielen AutorInnen ein Eintritt in die Krippenbetreuung nach dem ersten Lebensjahr (so auch gesetzlich verankert). Eine sinnvolle Unterbringung sollte auch möglichst an fünf Tagen in der Woche erfolgen, damit stabile Beziehungen aufgebaut werden können; Halbtagunterbringung erscheint den kindlichen Bedürftnissen entgegenzukommen ( Deutsche Liga für das Kind, Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege, 2008).

Diese Strategie wollen und werden wir auch zukünftig beibehalten: Qualität in der Kinderbetreuung stärken, um Kinder und damit auch Familien zu stärken. Dabei bleibt es natürlich jeder Familien belassen, ein Betreuungsangebot anzunehmen oder auch nicht. Die Entscheidung darüber soll nur für jeden offen sein.

 

Viele Grüße

 

Kristin Alheit