10.01.2012
Der Verbraucherpreisindex, aus dessen Änderung sich die offizielle Inflationsrate bestimmt, wird in Deutschland durch das Statistische Bundesamt ermittelt. In dem Gesetz über die Statistik für Bundeszwecke ist zu lesen: „Das Statistische Bundesamt ist eine selbständige Bundesoberbehörde“. Jedoch ist diese „Selbständigkeit“ kritisch zu hinterfragen.
„Der Präsident des Statistischen Bundesamtes wird vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung ernannt.“ Darüberhinaus hat die Behörde einen Beirat, der sie in „Grundsatzfragen“ berät. Dieser setzt sich zu einem Drittel aus Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften und zu zwei Dritteln aus Ministerien und anderen behördlichen Institutionen zusammen. In dem 63 Mitglieder zählenden Beirat finden sich lediglich vier Vertreter der Wissenschaft. Dabei ist es in erster Line eine wissenschaftliche Aufgabe, Statistiken wie etwa den Verbraucherpreisindex zu ermitteln.
Angesichts dieser Zusammensetzung ist klar: Das Statistische Bundesamt ist zumindest im Hinblick auf seine Leitung ein politisches Gremium und keine wissenschaftliche Institution. Wohin eine solche Vermischung von Politik und Forschung führen kann, zeigt die massive Schönung der amerikanischen Inflation durch die FED (Federal Reserve).
Diese bedient sich einer Reihe von Rechentricks, um den amerikanischen Geldwert-Verlust, also die Inflation, geringer erscheinen zu lassen. Der renommierte US-Ökonom John Williams veröffentlicht die ungeschönte Inflation in den Staaten, ohne die seit 1992 schrittweise eingeführten Rechentricks. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass diese nicht bei den durchschnittlich ausgewiesenen drei, sondern bei sechs Prozent im Jahr liegt. Wenn BIP und Wirtschaftswachstum ermittelt werden, wird die Inflation aus dem Ergebnissen heraus gerechnet. Ist der veranschlagte Geldwert-Verlust zu gering, kann eine tatsächliche Rezession als leichter Aufschwung erscheinen. Finanzexperten gehen daher davon aus, dass der US-Wirtschaftswachstum während der letzten zwei Jahrzehnte nur die Hälfte dessen betrug, was die FED suggerierte.
Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank und ARD-Wirtschaftskommentator, sieht ähnliche Tendenzen in der EU: „Grundsätzlich gibt es von Seiten der Politik seit Jahrzehnten den Versuch, Wirtschaftsdaten so zu beeinflussen, dass Wiederwahlen nicht gefährdet sind. Im Vergleich zu den Amerikanern sind wir Europäer hier erst Grundschüler und noch keine Akademiker“. Jedoch werde auch in Europa bereits das Prinzip der Hedonik angewendet. Die Hedonik ist ein umstrittenes Rechenkonzept um Qualitätsveränderungen (wie sie etwa im EDV- Bereich auftreten) zu berücksichtigen. Damit kann je nach Gewichtung der zu errechnende Verbraucherpreisindex massiv verändert werden.
Entscheidender Faktor für die Preisentwicklung ist die Geldmenge. Wächst diese, verliert das Geld an Wert und die Preise steigen. Wirtschaftsanalysten erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Zuge der Eurokrise im nie dagewesenen Umfang marode Staatsanleihen von Pleitestaaten wie Griechenland und Italien aufkaufen wird. Diese werden dann mit frischgedrucktem Geld bezahlt. Es bleibt abzuwarten, ob das Statistische Bundesamt seine Berechnungsmethoden für den Verbraucherpreisindex daher bald „reformiert“.
Lesen Sie mehr auf: goldseite.de und destatis.de
(Bildquelle: pixelio/Gerd Altmann)
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Kommentare
22.01. 18:47
Jürgen Hoffmann
man muss kein Statistiker sein um festzustellen, dass uns Deutsche der Teuro in die 80er Jahre zurück katapultierte.
Einkommen und Preise sind ähnlich.
Danke Politiker, das habt Ihr wirklich fein gemacht!
13.01. 15:55
Horst
Inflation ist nur ein aufgeblähtes Thema sagt der Zyniker. Aber der Kaufkraftverlust trifft besonders RenterInnen, sozial Abhängige und GeringverdienerInnen. Dass die Inflationszahlen geschönt sind, ist in der Tat kritisch-rational bisher nicht falsifizierbar. Die Frage ist: Steigen auch mittelfristig die Sozialleistungen in ähnlichem Umfang. Vermutlich leider nicht.
11.01. 18:17
trunki
es ist aber leider auch nicht richtig ausschließlich Grundnahrungsmittel und Energie in die Inflationsberechnung einzubeziehen. Auch wenn sie die Masse der Bürger sicherlich außerordentlich belastet. Nichts desto trotz bin ich der Überzeugung, dass die Inflation in den nächsten mindestens drei Jahren unser geringstes Problem werden wird. Erst wenn die Notenbanken die Masse der Anleihen erworben hat, wird Inflation zum Thema.
Genau die übertriebene Inflationsangst treibt die Menschen zu falschen Entscheidungen.
Derzeit herrscht ein Mangel an Liquidität und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt nicht, sondern fällt zeitweise sogar. Zusammen mit der sinkenden Kaufkraft durch die Zunahme der unangemessen bezahlten Arbeitsverhältnisse bis auf weiteres (3-4 Jahre) deflationäre Entwicklung weitaus wahrscheinlicher.
10.01. 15:52
G.Böhner
Die Inflation hat in 2011 nach meinen Berechnungen um die 8,5% gelegen (sehr wahrscheinlich aber noch höher). Als Vergleich zu 2010 flossen nur die Grundnahrungsmittel und die Energiepreise in die Rechnung ein.
Leider wird es noch zu einer galoppierenden Inflation kommen, nachdem die Gelddruckmaschinen angeworfen wurden.
Wo bleibt der Protest unserer Parlamentarier?
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