17.11.2009
FreieWelt.Net: Die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die ihre kleinen Kinder daheim erziehen, ist für 2013 in Höhe von 150 Euro beschlossen worden. Vor allem die CSU hat sich für ein Betreuungsgeld eingesetzt. Warum braucht es ein Betreuungsgeld?
Dorothee Bär: Für mich gilt in der Familienpolitik der Grundsatz: Jede Familie sollte größtmögliche Wahlfreiheit bei der Gestaltung ihres Lebens haben und selbst entscheiden, ob ihre Kinder zu Hause oder durch Dritte betreut werden - sprich, ob die Mutter und der Vater einer Arbeit nachgehen, oder einer der beiden sich für die Erziehungsarbeit zu Hause entscheidet. Ich habe vor beiden Entscheidungen persönlich großen Respekt und finde es richtig, wenn die Erziehungsarbeit zu Hause durch ein Betreuungsgeld honoriert wird.
FreieWelt.Net: Schon jetzt mangelt es nicht an heftiger Kritik am Betreuungsgeld. Das Geld würde von den Eltern „versoffen“ und nicht bei den Kindern ankommen. Was antworten Sie den Kritikern?
Dorothee Bär: Die Kritik kam vor allem vom Neuköllner SPD-Bezirksbürgermeister Buschkowsky, der sich zweifelsohne in der Wortwahl vergriffen hat. Folgt man seinen Formulierungen, wären die Eltern in Deutschland verantwortungslose Säufer, die einer staatlichen Bevormundung bedürften, damit ihre Kinder überhaupt eine Chance im Leben haben. Das ist absurd und stellt die Eltern unter einen unerträglichen Generalverdacht. Das Betreuungsgeld dient dazu, die wichtige und aufopferungsvolle Erziehungsarbeit der Eltern anzuerkennen. Die Entscheidung, Kinder nicht durch Dritte betreuen zu lassen, verdient genauso viel Respekt wie jene, Kinder und Beruf zu vereinbaren.
FreieWelt.Net: Was kann der Staat Ihrer Meinung nach tun, um Missbrauch bei staatlichen Zuwendungen durch die Eltern zu vermeiden?
Dorothee Bär: In erster Linie sollte den Eltern in Deutschland so viel Verantwortungsbewusstsein attestiert werden, dass wir so wenig staatliche Kontrolle wie nur möglich leisten müssen. Die allermeisten Eltern kümmern sich liebevoll und sorgfältig um ihre Kinder. Alle Eltern unter Pauschalverdacht zu stellen, ist beleidigend. Um einen Missbrauch zu verhindern, könnte die Zahlung des Betreuungsgeldes zum Beispiel daran geknüpft werden, dass die Kinder zu den turnusgemäßen Vorsorgeuntersuchungen erscheinen.
Foto: Dorothee Bär
Das Interview führte Kerstin Schneider
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