17.11.2009
Ab dem 01. Januar 2010 haben Eltern pro Kind und Monat 20 Euro mehr in der Tasche. Für die Financial Times Deutschland Grund genug, um beim Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Studie in Auftrag zu geben, die der Frage nachgeht, wofür Eltern eigentlich das zusätzliche Geld im nächsten Jahr ausgeben wollen. Vom Ergebnis zeigt sich die FTD erschüttert und titelt: "Das Kindergeld kommt nicht bei den Kindern an“, denn 48 Prozent der Eltern planen, "das Geld für den täglichen Bedarf zu nutzen, zu sparen oder für Urlaub, Schuldentilgung oder Renovierung zu verwenden".
Nur 49 Prozent wollen das „zusätzliche Geld in der Haushaltskasse für die Kinder verwenden“. Auch Spiegel-Online zeigt sich entrüstet: „Eltern wollen Extra-Kindergeld dem Nachwuchs vorenthalten“. Das ist doch wirklich ungeheuerlich! Es kommt aber noch dicker: Vor allem Beamte planen die Kindergelderhöhung für „andere Zwecke“ auszugeben, während sich die in letzter Zeit häufig geäußerte Vermutung, zusätzliche Finanzspritzen würden in ärmeren oder schlechter gebildeten Haushalten zweckentfremdet verwendet, nicht bestätigen ließ. Na immerhin eine gute Nachricht.
Was aber bitte ist „bedenklich“ daran, wenn Eltern die 20 Euro mehr im Monat für frisches Brot, Obst, Gemüse und Vollmilch aus dem Biomarkt, statt vom Discounter verwenden, wie Forsa-Chef Manfred Güllner findet? Warum, liebe FTD, ist es „brisant“, wenn Eltern das Geld für einen Urlaub mit ihren Kindern auf dem Bauernhof, an der Ostsee oder zum Skifahren in den Alpen sparen? Die Renovierung der Wohnung ist Zweckentfremdung des Kindergeldes? Glauben Sie nicht auch, daß der 12jährige Martin nicht mehr unbedingt kleine Dinos an seiner Zimmerwand haben möchte? Dank der Kindergelderhöhung wird sein Zimmer renoviert, der Geigenunterricht aber nicht gestrichen.
Wenn man Kinder bekommt, erhöhen sich logischerweise auch die Ausgaben: Oft muß eine größere Wohnung her, vielleicht ein neues Auto, Kleidung, Windeln, Einrichtung werden gebraucht und nach der Muttermilch steigen die Lebensmittelkosten. Der Urlaub wird teurer. Später folgen Betreuungskosten, eventuell Schulgeld, Hobbys wollen gepflegt und bezahlt werden etc. Kindergeld und Kinderfreibeträge dienen dazu, dieses Mehr an Kosten – die ja gleichzeitig auch immer ein Mehr an Einnahmen für den Staat bedeuten – (mehr oder weniger) im Vergleich zu Haushalten ohne Kinder auszugleichen.
Seit aber die neue Regierung weitere Familienentlastungen beschlossen und das Betreuungsgeld ebenfalls Einzug in den Koalitionsvertrag gefunden hat, stehen Eltern und Familien zunehmend unter einem Rechtfertigungsdruck, wie, wann, wo und ob sie das Geld für ihre Kinder verwenden. Die Fähigkeit verantwortungsbewußt mit den ihnen zugedachten finanziellen Zuwendungen umzugehen, ihre Finanzen auf die Förderung ihres Nachwuchses hin zu planen, wird ihnen damit schlichtweg abgesprochen. Das und nicht das Ergebnis der Umfrage finde ich brisant und bedenklich!
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