25.10.2011

Beatrix von Storch beklagt den Blindflug der Regierung

Bundestag entscheidet am Mittwoch über den X- Billionen-Euro-Hebel

Beatrix von Storch beklagt den Blindflug der Regierung

Man darf es getrost sagen: diese Woche wird historisch. Allen Versprechen zum Trotz soll der „Rettungsschirm“ jetzt doch gehebelt werden. Frau Merkel habe die Summe von einer Billion schon im Munde geführt. Nie hat der Bundestag über eine derartige Summe abgestimmt und das allem Anschein nach auch noch im völligen Blindflug.

Nie hat der Bundestag über eine derartige Summe abgestimmt und das allem Anschein nach auch noch im völligen Blindflug. Sie finden am Ende dieses Beitrages den vollen Text, mit dem die Abgeordneten „informiert“ wurden.  Mehr Informationen haben die Abgeordneten noch nicht. (Stand: 24.10.2011, 18 Uhr).

Zusammengefaßt steht in dem Papier (und ich habe wirklich nur ganz unwesentlich umformuliert!) „Die EFSF-Milliarden werden gehebelt. Wir wissen noch nicht wie. Wir wissen auch nicht, ob es am Ende eine Billion werden oder zwei. Aber ganz sicher werden alle Verträge eingehalten und vor allem: es gibt bei alledem kein Risiko, null.“

Im Wortlaut sieht das so aus:

„Die Kapazität der ... EFSF kann ohne Aufstockung der ... Garantien ausgeweitet werden“.

Anders gesagt: Die Garantien sind ja nun vereinbart. Und diese Vereinbarung zählt. Aber wir haben uns da einen kleinen Wundertrick ausgedacht, so daß viiiel mehr Kredite vergeben werden könne, als die vereinbarte Kapazität eigentlich hergibt.

„Diese Optimierung würde den Vorschriften des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union gebührend Rechnung tragen“.

Anders gesagt: Was wir machen, ist vielleicht nicht absolut legal, aber so im Groben schon. Keine Sorge. Alles relativ sauber. Kein neuerlicher Vertragsbruch, jedenfalls kein schlimmer. Wir halten uns an Recht und Gesetz – mindestens mal in „gebührender“ Form. 

„Mit der Maximierung der Effizienz der EFSF-Darlehensvergabe würde ... der dauerhafte Marktzugang von unter Druck geratenen Mitgliederstaaten ... und das ordnungsgemäße Funktionieren des Marktes für Staatsanleihen abgesichert.“

Anders gesagt: Der X-Billonen-Hebel schafft das unter Markbedingungen natürlich Undenkbare: kriselnde und insolvente Staaten können sich am „Markt“ unbegrenzt immer tiefer verschulden, auch wenn ihnen unter normalen Umständen dort keiner mehr einen Cent anvertrauen würde. Das lukrative Geschäft mit der Staatsschuldenorgie geht weiter. Das haben wir abgesichert.

„Es existieren mehrere Modelle zur Erhöhung der Kreditvergabekapazität (sog. Leverage). Eine genauere Angabe zu deren Umfang läßt sich erst nach Abschluß der Vereinbarung mit potentiellen Investoren festsetzen.“

Anders gesagt:  Sorry, aber ob es am Ende zwei Billionen werden oder drei oder fünf- keine Ahnung. Steht noch nicht fest. Aber eines ist auf jeden Fall total sicher: diese neuen X-Billionen-Kreditgeber sind keinesfalls systemrelevant und müssen, wenn es schiefgeht, nicht vom Steuerzahler gerettet werden.

„Es besteht die inhaltliche Möglichkeit, daß Option 1 zu einer statistischen Erhöhung der Bruttoverschuldung des Mitgliedsstaates führt. Bei Option 2 ...möglicherweise nicht.“

Anders gesagt: Wir haben uns zwar bemüht, daß die neuen Billionenkredite nicht auf der Passivseite der Bilanzen der insolventen Länder auftauchen- aber das klappt bei Hebel-Optionsmodell 1 nicht. Eventuell können wir aber über Hebel-Optionsmodell 2 das wahre Ausmaß des Schuldenstandes etwas verschleiern. Mal sehen.  

„Momentan hat die EFSF ein AAA-Rating, weil ... es voll und ganz auf den Garantien der Mitgliedstaaten mit AAA-Rating fußt. Das Geschäftsmodell der EFSF an sich ist also nicht Grundlage ihres Ratings.“

Anders gesagt: Deutschland bürgt, d.h. im Zweifel haften die deutschen Steuerzahler mit Haut und Haar, Deutschland hat AAA, also hat der EFSF auch AAA. Unser Verbrecher-leverage-Modell ist da ganz egal. Ok, also... - „momentan“ ist das auf jeden Fall noch so.

„Auswirkungen auf die Ratings der Mitgliedstaaten: Die von den Staaten mit AAA-Rating gegebenen Garantien haben die Ratingagenturen in ihren Ratings bereits berücksichtigt. Eine Veränderung im Risikoprofil der EFSF würden die Ratingagenturen in ihre Analyse der Ratings der Mitgliedstaaten einbeziehen.“

Anders gesagt: Obwohl der X-Billionen-Euro-Hebel noch gar nicht durch ist, ist er von den Rating-Agenturen eingepreist (Anmerkung des Autors: ??????). Aber klar, wenn mal ein Land nicht mehr zahlen kann und Deutschland dann wirklich einspringen muß, zieht das das deutsche AAA-Rating natürlich runter.


Meine sehr geehrten Abgeordneten, ich frage Sie: Wie müßte ein Gesetz, daß uns möglicherweise mit Billionen Euro belastet, aussehen, damit Sie es nicht absegnen? Ab wann sagen Sie „Bis hierher und nicht weiter!“  Wo ist Schluß

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Kommentare

  • 28.10. 19:53

    erzürnter Bürger

    Was die sogenannte Regierung macht ist Veruntreuung der Steuergelder. Als der Pakt für den EURO beschlossen wurde, wurde auch dafür unterschrieben, daß niemals einmal ein(Staat) für den anderen (Staat) aufkommen muß. Dieser Vertrag ist nun schon so oft gebrochen worden. Warum gehen wir Bürger nicht
    auf die Straße? Wir Deutschen maulen immer hinter vorgehaltender Hand. Wir unternehmen gar
    nichts.

  • 26.10. 11:50

    M. Rummel

    Die Politvasallen werden weiter und ohne Skrupel gegen die Interessen des Deutschen Volkes entscheiden und agieren. Nahezu alles was von diesen Marionetten zu hören ist, oder in den gesteuerten Medien zu lesen oder zu sehen, sind LÜGEN!
    Obwohl diesen Verantwortlichen, an ihrer Spitze die "Kanzlerin", schon lange bekannt sein dürfte, dass 80 % der Bevölkerung sich gegen jedwede weiteren "Rettungsschirme" oder deren Erhöhung klar ausgesprochen haben, wird dessen ungeachtet weiter gegen Verträge verstoßen, und das Deutsche Volk in nie dagewesener Form ausgeraubt und betrogen.
    Wir leben in einer Zeitenwende, und die einzige Hoffnung besteht noch darin, dass sich die verantwortlichen "Volksvertreter" in nicht allzu ferner Zukunft für ihre unverantwortlichen und volksfeindlichen Machenschaften in vollem Umfange vor einem Gericht verantworten müssen.

  • 26.10. 9:07

    Andreas Rochow

    Ich bedauere, nicht schon viel eher den Gedanken der "Pro-DM" gefolgt zu sein. Inzwischen wird ja schon zur Hatz auf "EURO-Kritiker" geblasen. Die Furcht vor dem Verlust auf nationalstaatliche Souveränität wird locker als "rechtsextrem" oder "rechtspopulistisch" denunziert. Kritische Stimmen aus EU-Mitgliedsstaaten werden ignoriert, entsprechende Beschlüsse durch politische Tricks gekippt. Finanz(politische) Experten, die mit guten Argumenten erklären, warum das Experiment EURO von vornherein ein Vabanqespiel war, das nur von wenigen gewonnen werden kann und deswegen zum Desaster führen muss, sind in den Medien kaum noch wahrzunehmen. Der Schuldzeiger auf "DIE Banken" ist ein fadenscheiniges Ablenkungsmanöver der Politik!Der 26.10.2011 wird ein schwarzer Tag für Deutschland - und Europa!

  • 25.10. 17:38

    Alfred Horn

    den bisherigen Kommentaren kann ich nur zustimmen. Meine bisherigen Briefe an alle Bundestagsfraktionen blieben weitestgehend ohne inhaltliche Antwort - also nur ein verzweifelter Versuch, an diesem verdammt sich schnelldrehenden Rad etwas aufhalten zu wollen.
    Die hektischen Aufblähungen der sogen. Rettungsschirme und vor allem deren Begründungen rauben jedem logisch und sachlich denkenden Menschen die Luft - es erinnert auch allzu sehr an einen Roulettspieler, der zur Rettung seiner bisher getätigten Einsätze verzweifelt immer höhere Einsätze riskiert, in der Hoffnung, irgendwann muss doch die Roulettkugel bei der richtigen Zahl liegen bleiben....aber dies ist ja nur sein Geld oder allenfalls das seiner Familie.
    Es ließe sich noch vieles anführen, wie z.B. Europafeindlichkeit mit Eurokritik oder korrupten Staatenlenkern zu verbinden, oder Mitspracheverweigerung Berlusconis einerseits mit unverholener Haftungsaufforderung eines Herrn Junckers, dem größten Schwarzgeld-Sammler innerhalb der EURO-Zone !!!

  • 25.10. 17:01

    Martin M. Luder

    Wer glaubt, dass Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt auch dass Zitronenfaler Zitronen falten. Was bleibt: Wir können das System nicht verändern! Wir können nur unser eigenes System schaffen. Wer an Lösungen interessiert ist, der meldet sich beim Martin

    Lieben Gruß vom Martin M. Luder (info@lefpilk.de)

  • 25.10. 16:37

    erzürnter Bürger

    Am Meisten ärgert mich, dass die von uns bei der letzten Bundestagswahl gewählten Parlamentarier wissentlich gegen unseren Willen abstimmen - und somit wissentlich und absichtlich unsere Stimme missbrauchen. Denn ich hätte ihnen, wie die meisten Leute, meine Stimme n i c h t gegeben, wenn ich gewusst hätte, was sie damit tun!
    Ich werde nicht mehr wählen. Ich bin seit dreißig Jahren wahlberechtigt, habe immer von meinem Wahlrecht Gebrauch gemacht - durfte aber die wirklich wichtigen Entscheidungen (Mauerfall, Solidaritätsbeitrag, EU-Gründung, EU-Beitritt, Euro-Einführung) nie mitentscheiden, da sie in D ausnahmslos ohne Bürgerbeteiligung beschlossen wurden d.h nie zur Abstimmung standen.
    Ich werde diese Politiker nicht mehr darin unterstützen, angeblich ein Bürgermandat zu vertreten. Das habt ihr nicht! Ihr seid nicht unsere Vertreter, sondern unsere Verräter - ohne Berechtigung der Bürger. Ein Mal aufgestiegen, entscheidet ihr Göttern gleich, nur wie es euch und eurem Prestigewillen beliebt. Frei für den eigenen Geldbeutel und die Karriere. Ihr habt alles selbst entschieden, gegen unseren Willen und jetzt seht gefälligst zu, wie ihr die Suppe auslöffelt - aber nicht mit meinem Geld, sondern mit eurem!
    Ihr Weichwährungsreformer habt Deutschland an die Wand gefahren und wenn ihr uns Bürger gefragt hättet, ob wir eine EU wollen und/oder einen Euro wollen, hätten wir es, wie die Schweizer, besser gewusst und uns dagegen entschieden. Der ganze Euro-Mist ist ausnahmslos und ganz alleine eure Fehlentscheidung gewesen. Die Fehlentscheidung ein paar Einzelner.
    Wir haben genug von euren Lügen.

  • 25.10. 16:04

    Gerhard Rohlfs

    Retten, was zu retten ist: Was kann das Volk tun? (2)
    ...
    4. Wenn es zu gefährlich wird, Widerstand auch vom Ausland aus organisieren: Hier böte sich bspw. das zu Russland gehörige Königsberg an, auch aus historischen Gründen (Tauroggen-Konvention 1812). Nach dem Platzen der „Rettungs“-Blase wird Russland der einzige große Stabilitätsanker in Europa sein.

  • 25.10. 16:03

    Gerhard Rohlfs

    Retten, was zu retten ist: Was kann das Volk tun?

    Jetzt wird sogar bereits von einer Haftungssumme von 4.000 Mrd. Euro gesprochen; die Werte näher sich noch schneller als gedacht dem gesamten deutschen Volksvermögen an.
    Gemäss einer DIW-Studie von 2007 beträgt das Nettovermögen privater Haushalte: 6.600 Mrd. Euro.
    Schätzungen der Bundesbank (FAZ v. 1.9.11): Deutsches Reinvermögen 2008: 10.050 Mrd Euro .
    Aufgrund der Insolvenz der Schuldner kann man sich darauf verlassen, dass die Bürgschaften auch tatsächlich sämtlich gezogen werden.
    .
    Was kann das Volk tun?
    1. Anders wählen: Insolvente Finanzglobalisten wollen sich die deutschen Ersparnisse aneignen: Die Gegenmassnahme kann also künftig nur heissen: National wählen, auch die neue Henkel-Partei, warum nicht. Für diesmal ist es dafür allerdings zu spät.
    2. Um zu retten, was zu retten ist, werden die Bürger vermutlich Spar- und Investmentverträge auflösen, das Geld ins Ausland transferieren, Sachwerte erwerben. Letzteres ebenfalls wenn möglich im Ausland, da die deutsche Regierung überall Steuern erhöhen wird, um die Schulden zu bedienen (Das ist keine Anlageempfehlung).
    Vermögenstransfer ins Ausland: Hier kann man von den schlauen Griechen nur lernen. Bei der Wahl des Auslands passt man allerdings auf, keine feindlichen, sondern befreundete Staaten auszuwählen. Pfändungsgefahr! (Noch einmal, das ist keine Anlageempfehlung).
    3. Protest auf der Strasse: unbedingt. Allerdings sollte man nicht solchen Alibi-Organisationen wie „attac“ (mit den Grünen verbunden), oder „occupy“ (versuchen offenbar, mit wolkigem Gerede den Protest ins Leere zu lenken) hinterherlaufen.
    Stattdessen konkrete Forderungen stellen, wie bspw.:
    - Volksabstimmung
    - Keine Bankenrettung mehr
    - Wiedereinführung der D-Mark
    - Proklamation der NICHTIGKEIT der Bürgschaften, usw.
    ...

  • 25.10. 15:52

    Martin Klipfel

    Ich übergebe mich! Gegen die "Abnick-Fraktion" habe ich keine Chance. Frage: Hat Pooooolitiker was mit A.... zu tun? Nein, das sind keine A..., es sind einfach nur Menschen, die kein Gewissen haben - meine Meinung, und meine Meinung kann man zum dem Thema auch hier nachlesen:
    http://www.zeitfokus.de/wirtschaft/item/1033-erweiterung-des-euro-rettungsfonds-ist-beschlossene-sache.html
    und hier:
    http://www.zeitfokus.de/politik/item/1043-eingeknickt-abgenickt.html

  • 25.10. 15:51

    Gerhard Rohlfs

    Warum stimmen die MdB’s wider besseres Wissen zu?

    Stellt sich die Frage, warum die MdB’s diesen gigantischen Bürgschaften wider besseres Wissen zustimmen.
    Sind es vielleicht diese rücksichtslosen Raubzüge, diese kannibalischen Kaperfahrten wie jetzt gegen Libyen, die die Politiker an einen – einstweiligen – Sieg des ansonsten bankrotten Westens (USA, UK, Frankreich) glauben lassen?
    Sonst wäre die Zustimmung zu den Billionenbürgschaften Deutschlands, die sich dann in Schulden und Zahlungen verwandeln, nicht erklärbar.
    In Libyen geht es um dessen Öl, in Deutschland um die Ersparnisse seiner Bürger.
    Sitzt den Politikern die Angst im Nacken, dass es ihnen bei Verweigerung weiterer Zahlungen ähnlich ergehen könnte wie Gaddhafi? Und wenn nicht physisch, so doch politisch, wirtschaftlich, in ihrer Existenz?
    Die Angst der deutschen Politiker davor muss größer sein als ihre Angst, eines Tages vom eigenen Volk zur Rechenschaft gezogen zu werden.
    Angst ist hier auf jeden Fall das zentrale Motiv.

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