18.10.2011
Mit dem Namen Richard Sulik konnten bis vor wenigen Wochen nur wenige Deutsche etwas anfangen. Dabei schauen Eurokraten aus der ganzen EU in den letzten Wochen auf diesen Mann; gespannt darauf, was er als nächstes macht. Der Ökonom, Firmen- und Parteigründer ist nun ein wichtige Persönlichkeit. Er stand zu seinem Wort und hat damit die Regierung seines Landes zu Fall gebracht. Eine Regierung, in der seine Partei die zweitstärkste Fraktion stellt. Doch wer ist dieser Mann, der mehr Blicke auf sich zieht, als alle bisherigen Volksvertreter seines kleinen Landes zusammen.
Richard Sulik wurde am 12. Januar 1968 in Preßburg (Bratislava), der heutigen Hauptstadt der Slowakei geboren. Hier gründet er seine Firma „FaxCopy“ und später seine Partei. Hier lernt er Erfolg und Macht kennen.
Dabei kommt er keineswegs mit dem sprichwörtlichen „goldenen Löffel“ zur Welt. Als er zwölf Jahre alt ist, flüchtet seine Familie vor der sozialistischen Diktatur seiner Heimat und immigriert nach Deutschland. Zuerst landen sie in München, dann ziehen sie nach Gelsenkirchen und schließlich nach Pforzheim. Dort schließt er die Realschule ab und macht 1987 auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. Noch im selben Jahr schreibt er sich an der Technischen Universität München ein und studiert Physik. Er besteht das Vordiplom, doch bevor er sein Studium abschießen kann, fällt das sozialistische Kartenhaus in sich zusammen. In allen Ländern des Ostblocks gehen die Menschen auf die Straße und fordern ihre Freiheit. Sulik bricht sein Studium ab, geht zurück in seine Geburtsstadt und versucht dort, wo jahrzehntelang alles still stand, etwas Neues aufzubauen.
Mit Anfang zwanzig gründet er sein eigenes Unternehmen. Er importiert Faxgeräte und Drucker – Produkte, die im ehemaligen Ostblockland bis dahin schwer zu bekommen waren. Dabei erarbeitet er sich eine Reputation als findiger Unternehmer. 1998 schreibt er sich an der Wirtschaftsuniversität in Preßburg ein. Noch bevor er seine Doktorarbeit beendet, macht er als Berater des Finanzministers erste Erfahrungen in der Politik. Er ist der geistige Vater der 19-Prozent-Einheitssteuer, die 2004 eingeführt wird. Dieses sehr einfache Steuersystem erinnert an die Konzepte von Friedrich Merz und gilt als ein wesentlicher Grund für die gute wirtschaftliche Entwicklung der Slowakei in den letzten Jahren. Nachdem er seinen Beraterposten aufgibt, arbeitete er in verschiedenen Führungspositionen in der slowakischen Verwaltung. 2009 entschließt er sich eine eigene Partei zu gründen.
„Freiheit und Solidarität“ erreicht ein Jahr später 12,4 Prozent bei den slowakischen Parlamentswahlen. Dieser Erfolg bringt seiner Partei 22 Sitze im Parlament und ihm den Posten des Parlamentspräsidenten ein. Eigentlich will Sulik Wirtschaftsminister werden, doch die christdemokratische Ministerpräsidentin Iveta Radicova interveniert. Schon nach drei Monaten im Amt tut er etwas Ungewöhnliches für einen Politiker. Er bringt eine Initiative ein, mit dem Ziel das Parlament zu verkleinern und Politikerprivilegien wie die Nutzung teurer Luxuskarossen abzuschaffen. Trotz großer Resonanz schafft er es nicht die Initiative durchzubringen.
Sulik ist von Anfang an ein scharfer Kritiker der Eurorettung. Schon 2010 macht er auf sich aufmerksam, als er vorschlägt, sein Land solle nicht mehr blind den Machthabern der Eurozone vertrauen und stattdessen zur slowakischen Krone zurückkehren. Solche Haltungen sind in dem osteuropäischen Land keine Seltenheiten. Auch Noch-Ministerpräsidentin Radicova wirbt im Wahlkampf mit dem Slogan: „slowenische Rentner sollen nicht für reiche Griechen zahlen.“ Sulik bleibt bei seiner Meinung. Sie nicht. Aus seiner Sicht braucht Griechenland keine weiteren Zuwendungen sondern einen „echten Haircut“. Schulden mit noch mehr Schulden zu bekämpfen, gleicht für ihn dem Versuch, ein Feuer mit einem Ventilator zu löschen.
Sulik versucht mit aller Macht, dies zu verhindern. Letztlich scheitert er. Die Regierung zerbricht daran, aber das slowakische Ja zum erweiterten EFSF steht. Nun wird in der Slowakei neu gewählt. Es wird sich zweigen, ob die Slowaken so viel Prinzipientreue honorieren.
(Bildquelle: Wikipedia)
Kommentar schreiben
Kommentare
Keine Kommentare momentan