4.10.2011
An diesen Donnerstag wird sich der Bundestag noch lange erinnern. Es war eine gespenstische Debatte. Wohl nie war die Kluft zwischen Versicherungen der Regierenden und den Befürchtungen der Abgeordneten größer. Dennoch stand die Zustimmung zur Erweiterung des erweiterten Euro-Rettungsschirms, kurz EFSF genannt, im voraus fest.
Grüne und SPD garantierten der Regierung eine Mehrheit – unabhängig vom Votum ihrer eigenen Abgeordneten. Damit ist die Summe für die Deutschland haftet, von 119 auf 211 Milliarden Euro angestiegen Die Bundeskanzlerin aber kann aufatmen, denn mit 315 Stimmen aus den eigenen Reihen hat sie die Kanzlermehrheit erhalten.
Wichtiger als dies aber sind das tief sitzende Unbehagen vieler Abgeordneter und ihre Ängste. Nicht nur die Höhe des Betrags, der sich weiter bis auf 400 Milliarden Euro erhöhen kann, treibt Abgeordnete aller Fraktionen um. Hinzu kommt die Befürchtung, dass dies nur ein Anfang und der Einstieg in eine Verschuldungsspirale ist, an deren Ende eine Währungsreform stehen könnte, so wie es der Finanzwissenschaftler Professor Homburg, Direktor des Instituts für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover, voraus gesagt hat: „Das endet wie 1948 mit einer Währungsreform“ lautet seine Prognose.
Finanzminister Schäuble hat am Donnerstag versucht, solche Befürchtungen auszuräumen, die sich zudem mit der Befürchtung verbinden, künftig könnten neue finanzielle Verpflichtungen ohne Zustimmung des Parlaments übernommen werden. Der EFSF werde nicht heimlich aufgestockt. „Der wird nicht erhöht. Das steht nicht zur Debatte“, beteuerte er vor dem Bundestag .Viele Abgeordnete glauben ihm das nicht und werfen ihm Täuschung der Öffentlichkeit vor: Aus gutem Grund, denn die Anzeichen dafür, dass in der EU-Kommission das Gegenteil schon vorbereitet wird, sind zahlreich. Ihre Pläne zielen darauf, die Kreditsumme durch “Hebelung“ auf ein Vielfaches der ausgewiesenen Kreditlinie zu erhöhen – und zwar mit Zustimmung Schäubles. Schon spricht man beim IWF. dem Internationalen Währungsfonds, von einer Anhebung des Kreditrahmens auf mehr als eine Billion Euro, um vorzusorgen, fallskarar auch Italien und Spanien Zahlungsunfähigkeit droht. „Die Märkte wollen mehr“, konstatiert EZB-Vorstandsmitglied Bini Smaghi. Dieses „Mehr“ aber hätte im Wesentlichen Deutschland aufzubringen.
Damit aber stieße es an seine Grenzen. Die Rating-Agentur Standard & Poors hat Berlin schon vor den Folgen weiteren Garantien für seine Kreditwürdigkeit gewarnt. Wie begründet dies ist, zeigt der Anstieg der Risikoprämien, die Deutschland für Kredite bezahlen muss. Sie haben sich in der letzten Woche fast verdreifacht.
All das spricht dafür, dass Zweifel an der deutschen Euro-Politik nur zu berechtigt sind. Wenn Deutschlands Kreditwürdigkeit heruntergestuft wird, kommt die Stunde der Wahrheit – leider nicht nur für die Politiker, sondern für uns alle.
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Kommentare
4.10. 23:08
Gerhard Rohlfs
Richtungswechsel bei FAZ pro Euro-"Rettung"?
Frage an den FAZ-Leitartikler Feldmeyer:
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Wie erklären Sie sich die Zeitgleichheit
- der Einschränkungen bei den Leser-Kommentaren der FAZ seit dem 3.10.11,
- die plötzliche Pro-Euro-Berichterstattung,
- pro Schäuble(!),
- contra Frank Schäffler,
- und der aktuellen/ akuten Nervosität der "Märkte", weil der Geldfluss aus dem deutschen Rettungsfüllhorn, an dem alles hängt, weniger stark fliessen oder versiegen könnte?
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Alles reiner Zufall?
Oder haben hier irgendwelche zu rettenden Banken oder jemand anders Einfluss genommen?
Das wäre ein Rückschlag für Deutschland, wir sollten jedenfalls der Sache nachgehen.
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Wie ist Ihre Meinung dazu?
4.10. 20:45
Gerhard Rohlfs
Im Zusammenhang mit dem drohenden deutschen Staatsbankrott ist ein Ereignis vielleicht nicht unwichtig:
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China hatte vor ein paar Wochen zeitweise erwogenen, Italien bei dessen Schuldenfinanzierung zu "helfen", natürlich nur unter der Voraussetzung, sich das Geld bei Fälligkeit dann vom Bürgen Deutschland zurückholen zu können.
Nun gab es Widerspruch dazu in China. Wäre es zu teuer und zu riskant?
Zwei Punkte sprechen für einen chinesischen Rückzug:
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1. Rechtlich: Die deutschen Bürgschaften sind grob verfassungswidrig und deshalb NICHTIG ohne Volksentscheid nach Artikel 146 Grundgesetz. Das ist herrschende Auffassung der führenden deutschen Staatsrechtler.
Das heißt eine spätere deutsche Regierung ist an diese Zusagen nicht gebunden.
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2. Rein ökonomisch: Nach Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Starbatty kann das Rettungsspiel noch maximal zwei Jahre fortgesetzt werden, dann ist Schluss. D.h. nach zwei weiteren Jahren auf dem "Rettungs"-Weg ist Deutschland pleite. Und von einem bankrotten Bürgen kann sich auch China nichts mehr holen. Es würde also selbst Geld verlieren. Und das ist dann doch nicht im Sinne des Erfinders.
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Und mit dem Rückzug des als Gross-Retter ausersehenen China rückt das Ende des Euro wieder ein Stück näher.
Das ist eine gute Nachricht.
Denn:
Euro und EU lösen sich in nicht allzulanger Zeit sowieso von selbst auf.
Nur, je später, desto teurer für uns.
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