23.05.2011

Interview mit Dr. Gisela Höhne

Mit PID-Zulassung sinkt die Akzeptanz der Behinderten

Interview mit Dr. Gisela Höhne

FreieWelt.net: Wie kam es zur Gründung des Theaterprojekts RambaZamba, in dem fast alle Schauspieler mit einer geistigen Behinderung leben?

Dr. Gisela Höhne: Mein Sohn wurde mit dem Down Syndrom geboren. Ich selbst war damals Schauspielerin und mußte wegen Moritz damit aufhören. Nach einem zweiten Studium (Theaterwissenschaft) hatte ich das Rüstzeug, um eine  Theaterarbeit mit diesen besonderen Menschen zu beginnen, erst mit einem Kinderzirkus, dann nach der Gründung des Vereins Sonnenuhr mit erwachsenen Menschen mit Behinderung. Unser Ziel war und ist es, die künstlersichen Fähigkeiten und Besonderheiten von Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern, es öffentlich zu machen und eine neue Form von Akzeptanz zu erreichen. Das sollte in enger Verbindung mit anderen KünstlerInnen geschehen.

FreieWelt.net: Welche Unterschiede, welche Gemeinsamkeiten gibt es in der künstlerischen Arbeit mit behinderten und nicht-behinderten Darstellern?

Dr. Gisela Höhne: KünstlerInnen mit geistiger Behinderung sind authentischer, ursprünglicher und haben einen ganz besonderen Ausdruck. Sie spiegeln uns das, was wir als Geselllschaft sind und als Menschen tun, mit großer Deutlichkeit und zugleich mit viel Humor. Sie schaffen ihre eigene Wahrheit im Spiel und tun selten, was man will. Es ist eine Herausforderung, die fast immer zu einem besonderen Ergebnis führt. 

Gemeinsam haben sie mit anderen KünstlerInnen ihre Lust am Spiel und am Ausdruck, ihre Professionalität, ihren Ehrgeiz und ihren Stolz.

FreieWelt.net: Welche Folgen befürchten Sie bei einer begrenzten Zulassung der PID?

Dr. Gisela Höhne: Menschen mit Down Syndrom und anderen genetisch feststellbaren Veränderungen werden nicht mehr geboren, es wird jedoch noch weiter gehen. Man wird immer mehr in Richtung Designer-Babies gehen. Dick, schief etc. geborene Kinder wird es kaum noch geben, damit sinkt die Akzeptanz auch der Behinderten, die ihre Behinderung während und nach der Geburt erleiden.

FreieWelt.net: Müssen sich nach Ihrer Erfahrung bereits heute Eltern für die Geburt ihrer behinderten Kinder rechtfertigen?

Dr. Gisela Höhne: Ich habe es selbst nicht erlebt, aber mehrfach gehört.

FreieWelt.net: Welche konkreten Maßnahmen wünschen Sie sich von der Politik?

Dr. Gisela Höhne: Ich erwarte ein Verbot der PID. Aber ebenso ein Verbot des Abtreibungsparagraphen, der die Abtreibung von behinderten Embryos bis kurz vor der Geburt erlaubt.

Ich erwarte eine ehrlichere Intergrationspolitik, die auch umgesetzt wird. Es müßte mehr ermutigt werden in Richtung wirklicher Akzeptanz und eines Miteinander behinderter und nichtbehinderter Menschen. Das würde jedoch einen Wertewandel voraussetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare

  • 25.05. 19:27

    Wunschkind

    "Menschen mit Down Syndrom und anderen genetisch feststellbaren Veränderungen werden nicht mehr geboren, es wird jedoch noch weiter gehen. Man wird immer mehr in Richtung Designer-Babies gehen. Dick, schief etc. geborene Kinder wird es kaum noch geben"

    *seufzt* So etwas kann leider nur jemand glauben, der sich weder ernsthaft mit dem Thema "IVF" noch mit der "PID" beschäftigt hat.
    Ich werden in wenigen Tagen mein absolutes Wunschkind auf die Welt bringen. Der Weg dort hin war schon verhältnismäßig hart, da wir vor einem Jahr erfuhren, dass wir nur mit Hilfe einer IVF Eltern werden können. Nach einer 2-wöchigen Hormongabe wurden mir 20 EZ entnommen. Davon ließen sich 9 befruchten und 6 von diesen EZ im PN-Stadium hatten das Potential sich zu Embryonen weiterzuentwickeln, mit denen ich eine Chance auf eine Schwangerschaft hatte.
    4 wurden also kryokonserviert und 2 weiterkultiviert. Nach 3 Tagen bekam ich sie zurück und einer davon hat sich eingenistet. DAS ist übrigens eine optimaler Verlauf einer IVF-Behandlung. Häufig läuft es anders. Denn jeder dieser Schritte ist schon OHNE eine invasive Untersuchungsmethode äußerst Störanfällig. Und bei den wenigsten Frauen läuft es so optimal.
    Jeder Behandlungsschritt ist für die Frau eine körperliche und psychische Belastung. Und ein Großteil der Frauen muss dieses ganze Prozedur nicht nur einmal durchlaufen, sondern 2-5 mal, um endlich ein Kind zu bekommen.
    Was glauben Sie wohl, wie viele EZ eine Frau erst einmal produzieren müsste und wie oft sie diesen Vorgang wiederholen müsste, um rein Theoretisch ein "Designer-Baby" zu bekommen. Es ist einfach absurd anzunehmen, dass es dazu kommen könnte.
    Stattdessen verweigert man eine verschwindend geringem Anteil von Paaren, denen man mit der PID Leid ersparen könnte, eine eigene Gewissensentscheidung treffen zu dürfen.

  • 24.05. 22:44

    Hypatia

    Ein interessantes Projekt. Ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit mit diesen behinderten Menschen eine schöne Lebensaufgabe ist.

    Dennoch ist dieser Artikel deutlich am Thema PID vorbei. Das Down Syndrom ist z.B. keine Behinderung, die unbedingt mit der PID getestet werden müsste. Weil, diese Menschen haben ja - wie es weit bekannt ist - ein relativ glückliches Leben. Auch ist das Down-Syndrom keine Erbkrankheit, da sich Menschen mit diesem Syndrom nicht fortpflanzen können. Es wird also nie ein Paar eine Indikation für eine Erbkrankheit Down Syndrom haben.

    Dafür gibt es andere Krankheiten, die eben mit großem Leid verbunden sind - auf der Seite der Eltern und der Kinder. Wenn jemand in seiner Familie so eine Erbkrankheit schon miterleben musste, hat derjenige auch einen Begriff davon und soll entscheiden können, ob er ein solches Kind austragen will, wenn es aufgrund der Beschaffenheit der befruchteten Eizelle zur Entwicklung eines solchen Kindes käme.

    Auch werden Ebryonen, die garantiert zu einer Totgeburt führen, gewiss niemals Theater spielen.

    Die Aussage von Frau Dr. Höhne: "Man wird immer mehr in Richtung Designer-Babies gehen. Dick, schief etc. geborene Kinder wird es kaum noch geben, ..." zeigt, dass diese Frau sich nicht wirklich mit der PID beschäftigt hat. - Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: Es gibt keine Designer-Babys. Mit der PID kann man kein Kind designen. Man muss es immer noch so nehmen, wie es ist. Bei der PID werden befruchtete Eizellen auf eine (!) bestimmte Krankheit untersucht, die die Indikation für die PID war. Eizellen, die dieses genetische Merkmal aufweisen, werden der Mutter nicht transferiert, bekommen also damit keine Entwicklungschance. Die transferierten Embryonen hingegen haben eine Entwicklungschance von ca. 1 : 10. Gerade auch deshalb und weil die Erzeugung von hinreichend vielen Eizellen nur unter großen finanziellen und körperlichen Aufopferungen geht, werde das keiner für ein blauäugiges Kind tun.

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