20.08.2012
Die Türkei und Griechenland haben in vielerlei Hinsicht ähnliche Voraussetzungen, ähnliches Klima, ähnliche Landschaften usw. Dennoch haben die Türken ihre westlichen Nachbarn auf allen Gebieten abgehängt. Die türkischen Strände locken mehr Touristen und die türkische Industrie mehr ausländische Investoren. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt ist die Türkei „zu einer der stärksten Wachstumsregionen der Welt geworden, während Griechenland im fünften Jahr einer tiefen Rezession streckt, den Staatsbankrott immer vor Augen.“
Vor zehn Jahren verhielt es sich noch umgekehrt: Die Griechen feierten ihre Aufnahme in den Euro und die Türkei stand kurz vor dem Bankrott. Durch Hilfskredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) konnte die Türkei sich allerdings aus der Misere befreien. Die Kredite waren an ebenso strenge Auflagen gebunden, wie die, die die Troika Griechenland auferlegt. Ankara zeigte jedoch Ehrgeiz bei der Umsetzung. Der Wechselkurs der türkischen Währung wurde freigegeben und konnte sich an die Wirtschaftskraft anpassen. Die Notenbank wurde selbständig und beteiligte sich nicht länger an der Finanzierung des Staates. All diese Reformbemühungen zeigten bald Wirkung. Die Türkei prosperierte seit 2001 und erreichte in einigen Jahren ein „chinesisches“ Wirtschaftswachstum von acht Prozent im Jahr.
Ob die Griechen, sollten sie sich doch irgendwann zu ernsthaften Reformen entschließen, es ihren Nachbarn gleichtun können, ist fraglich. Markus Jäger, Volkswirt der deutschen Bank, glaubt die Türken hätten einen guten Job gemacht. „Aber sie hatten es auch leichter als die Griechen heute, denn sie konnten ihre Währung stark abwerten.“ Dies können die Griechen mit dem Euro nicht.
Lesen Sie mehr auf: faz.net
(OS)
Bildquelle: (Pixelio.de/ Katharina Wieland Müller)