18.06.2012

Kommentar von Kerstin Schneider

Jedes Kinderzimmer nur eine Glotzebude?

Kommentar von Kerstin Schneider

Eine Gruppe glücklicher und spielender Kinder links, rechts daneben sitzt ein Kind einsam und allein vor dem Fernseher – das ist das Welt- und Familienbild der Grünen. Nach wochenlangen Verbalattacken gegen das Betreuungsgeld setzt die Bundestags-Grünen-Fraktion mit diesem Kampagnenbild ihrer diffamierenden Anti-Betreuungsgeld-Kampagne nun die Krone auf.  

Denn was anderes als „Kinder, die daheim statt in der Kinderkrippe betreut werden, vereinsamen unglücklich vor der Glotze“ unterstellt dieses Bild? Es reicht den Grünen mittlerweile wohl nicht mehr, den Eltern schlicht abzusprechen, sie könnten ihre Kinder auch nur annähernd frühkindlich so bilden wie dies Erzieherinnen staatlicher Kinderkrippen könnten, nein das geht ihnen nicht weit genug. Nun muß auch noch das Buschkowski-Argument der Flachbildschirme herhalten, um es so richtig überzeugend zu machen. Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen, setzen ihre Kinder, na klar – vor die Glotze, denn was anderes können die gar nicht. Das geht nun auch wohl vielen treuen Grünen-WählerInnen entschieden zu weit. So finden sich im Kommentarbereich des Artikels zu diesem Bild solch interessante Kommentare:

„Wieso muss ich mich als Grünen-Wählerin, die eine zweijährige berufliche Auszeit für die Tochter nimmt, seit Monaten so erniedrigen lassen? Ich freue mich auch darauf, später wieder zu arbeiten, doch erstmal bin ich glücklich mit meinem Kind. Und bestimmt nicht zu blöd, meine Tochter gut zu betreuen.“

„Sind die Grünen denn jetzt von allen guten Geistern verlassen? Die überwiegende Mehrzahl von Eltern, die sich verantwortungsvoll um ihre Kleinkinder kümmern, derartig zu diffamieren? Jedes Kinderzimmer nur eine Glotzebude? Ich bin eine Grüne der ersten Stunde - aber das jetzt geht zu weit. Wie kann eine Partei, die einmal für mehr Menschlichkeit aufgebrochen ist, derartig auf Müttern herumtrampeln?“

„Bisher war ich eine treue Grün-Wählerin. Seit der Debatte über das Betreuungsgeld kann ich jedoch nur den Kopf darüber schütteln, welche Meinung vorherrscht. Ich betreue meine Kinder selbst zu Hause (2 Kleinkinder) und ich empfinde es als grausam, dass es mittlerweile als normal gilt, seine Kinder in fremde Hände zu geben, die sich in diesem Alter (1-3) oftmals noch nicht vollständig erklären können!“

Interessant auch, da - schaut man den Blätter- und Medienwald so durch - man doch stark den  Eindruck gewinnen könnte, ganz Deutschland wolle seine Kinder in Krippen betreuen lassen, nur ein kleines Dorf irgendwo im Süden Deutschlands würde noch für die Betreuung durch die Eltern streiten. Das Hauptargument der Opposition gegen das Betreuungsgeld, auf dem sie so „kreativ“ herumreiten, stößt dabei auch vielen Anhängern von Rot und Grün übel auf, sind doch die meisten von ihnen recht glücklich bei, und in den ersten Jahren hauptsächlich von ihren Müttern/Eltern höchstpersönlich selbst betreut, groß geworden: Das „Fernhalte“-Argument torpediert und diffamiert die Erziehungsleistung aller Eltern, die sich liebevoll und aufopfernd um ihre Kinder kümmern. Und es unterstellt, nur der Staat könne wirkliche Erziehungs- und Bildungsarbeit leisten. Ja man bekommt fast den Eindruck, so formulierte es auch einer der Kommentatoren, „als wollten die Grünen die Mütter um jeden Preis von ihren Kindern fernhalten.“

http://www.gruene-bundestag.de/themen/familie/kita-ausbau-statt-betreuungsgeld.html

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Kommentare

  • 19.07. 11:18

    Wolfgang

    @Rodenwald
    Was verstehen Sie unter krippengeschädigt, das würde ja über 50% der ehemaligen DDR Bürger betreffen.
    Leider betreibt abgeordneten Check hier eine falsche Polemik.
    Gutverdienende Eltern sind auf diese Geld bestimmt nicht angewiesen und erziehen Ihre Kinder, auf Grund von Kindermädchen, musischer Erziehung und Privatunterricht meist zum Vorteil der kapitalistischen Gesellschaft. Ein solidarisches und humanes Denken ist da kaum ausgeprägt.
    Kinder, die in den ersten Jahren nur von ihren Eltern erzogen werden, sind nicht mehr frei in ihrer politischen und religiösen Entscheidung. Beschneidung, Taufe sind Handlungen von Eltern, die das Kind machtlos ausgeliefert ist. Um da den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Welt auch mit anderen Augen zu betrachten, ist der Besuch einer Kinderkrippe zwingend anzuraten. Eine gute sprachliche und geistliche Entwicklung in der Gemeinschaft sind dabei auch von Vorteil.

  • 28.06. 7:30

    trunki

    @Valentina
    beim Betreuungsgeld geht es ausschließlich um die Kinder zwischen 1 und 3 Jahren.

    Geht unsere Solidarität (Naivität) jetzt schon soweit, dass wir Gesetzt zum Wohl (weniger)Migrantenkinder (beileibe nicht alle sind der eigenständigen Integration abgeneigt) machen sollen und gegen das Wohl der Mehrzahl der Kinder.

    Die Industrie braucht (mehr) Wettbewerb am Arbeitsmarkt um die Löhne weiter drücken zu können. Das ganze nennt sich wettbewerbsfähiger werden. Und wer finanziert dies richtig der Steuerzahler. Wir treiben das Hamsterrad erst richtig an. Ab einer gewissen Geschwindigkeit kommt jeder ins Stolpern, auch wenn er noch so ein guttrainierter Läufer ist.

  • 24.06. 0:55

    Valentina

    Was man aber bei der Debatte total vergisst, sind die Migrantenkinder, die, wenn nur zuhause betreut, nie ein Wort Deutsch zu hören bekommen, und erst mit 6, wenns denn zur Schule geht unter deutschsprachige Menschen kommt. Was sagt es über unser Bildungssystem aus, wenn wir in den nächsten 10 Jahren alles zunichte machen, was die Integrationarbeit bis jetzt geschafft hat?
    Es geht ja auch nicht unbedingt um die ersten 3 Jahre im Leben eines Kindes, es geht um die weiteren drei, in dem wichtigen Alter 3-6, müssen die Kinder spätestens in Kontakt mit Gleichaltrigen kommen. Weil die sonst einen Schock fürs Leben bekommen, wenn sie plötzlich alleine, ohne Mama, auf dem Schulhof stehen, wo 100 Kinder spielen, toben, laufen und laut sind. Und die 25 in der Klasse nicht zu vergessen.
    Ich bin Erzieherin und selbst die Kinder, die in einer Kita betreut werden, sitzen noch zuhause vor dem Fernseher, an die 4-6 Stunden täglich. Werden dicker, mundfauler und, tut mir leid, dümmer. Weil die Vernetzung im Gehirn nun mal durch Bewegung stattfindet!
    Es sind nicht alle Eltern, die Ihre Kinder vor den Fernseher setzen, aber es werden immer mehr, traurigerweise. Es ist nun mal jetzt so, dass ungefähr 70 Prozent der Kinder im Alter von 3-6 und vielleicht jünger ihre Freizeit vor dem Fernseher verbringen.

  • 22.06. 16:30

    robert

    also, das betreuungsgeld ist schon eine gute sache, aber es sollte nur bis zu einem bestimmten familien-jahres-einkommen gezahlt werden. zb bis dem doppelten/dreifachen hartz-4 satz.
    50.000 Euro wäre meinermeinug ein guter richtsatz.

  • 22.06. 11:38

    Rodenwald

    Sind wir von der DDR her nicht genug krippengeschädigt? Nun soll dasselbe in ganz Deutschland durchgepaukt werden: Alle Kleinkinder so schnell wie möglich in die Krippe, damit die Frauen schnellstmöglich wieder ihrem stressigen Job nachgehen können - die Kinder werden dann so ganz "nebenbei" geboren.???
    Willkommen in der Deutschen Demokratischen Republik!

    Dabei haben Gebildete höchstens noch ein, zwei Kinder in der Regel viele gar keine.

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