9.05.2012
Nachdem der radikale Linke Alexis Tsipras mit der Regierungsbildung in Griechenland beauftragt wurde, bring Klaus-Peter Willsch (CDU) einen Euro-Austritt des Landes ins Spiel. „Wir sollten Griechenland anbieten, die Euro-Zone zu verlassen, ohne aus der EU auszuscheiden“. Den Deutschen komme es nicht zu, den Griechen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. „Das Dogma, dass kein Land den Euro verlassen darf, hat schon zu viel europapolitischen Schaden angerichtet“, fügte Willsch hinzu.
Auch der FDP-Finanzexperte und ausgewiesene Kritiker der „Rettungsschirme“ Frank Schäffler macht sich dafür stark, dass Griechenland die Eurozone verlässt. Man müsse den Griechen nach der Wahl Zeit geben, um sich zu finden, aber Vorbereitet sein. Es gebe dutzende Studien, wie ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro vonstatten gehen könne. „Auch die Bundesregierung sollte spätestens jetzt einen Plan B entwerfen“. Michael Meister, Vorsitzender der Unions-Bundestagsfraktion, stimmt mit ein. Ihm zufolge müsse die neue Regierung „die Konsequenzen verantworten“, wenn sie die Verträge nicht einhält.
Auch an den Finanzmärkten und unter Wirtschaftswissenschaftlern breitet sich ein zunehmender Pessimismus hinsichtlich Griechenlands aus. Das Land sei „momentan ein Zombie-Staat“, so Rick Fier, Handelsmanager bei Conifer Securities. Ihm zufolge würde es den Hellenen in jedem Fall schwer fallen, ihre Schulden zu bezahlen – egal ob sie im Euro bleiben oder nicht. Michael Hüther, der Direktor der Institus der deutschen Wirtschaft, sagte, „im Zweifel müsse Griechenland den Euro verlassen.
Der renommierte Krisenökonom Max Otte geht sogar noch weiter. Er fordert nicht nur den Austritt Griechenlands, sondern auch den Spaniens und Portugals. „Die undemokratisch agierenden Politiker der Euro-Zone ernten jetzt die Saat, die sie gesät haben… Eine sinnvolle Politik würde weitere Schuldenschnitte in Griechenland vereinbaren, eine Umschuldung in Italien und eine Reorganisation des spanischen Immobiliensektors… Zudem sollten Griechenland, Spanien und Portugal das der Euro-Zone entlassen werden, wie ich seit 2 Jahren fordere.“
(JL)
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