Antwort von Marion Platta
Initiative Staatliche Sexualisierung der Kindheit - Schützt uns davor!
Frage
im Land Berlin ist modellhaft für andere Bundesländer derzeit eine Entwicklung im Gange, gegen die ich bei Ihnen als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses aufs Schärfste protestiere. Mit der staatlich finanzierten Berliner Initiative "Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" sollen alle Grundschulkinder fächerübergreifend – „weg von der klassischen Vater-Mutter-Kind-Familie“ – zu unterschiedsloser Offenheit für alle möglichen sexuellen Orientierungen erzogen werden.
„Sexualerziehung“ ist bereits ab der 1. Klasse im Berliner Lehrplan fest verankert und für alle Grundschüler verpflichtend. Eltern haben kein Vetorecht. Die Vermittlung und Darstellung auch abseitiger sexueller „Identitäten“ und Lebensweisen sind zu einem wesentlichen Bestandteil dieser „Sexualerziehung“ geworden. Damit betreibt Schule eine Scham und Sexualmoral verletzende Indoktrinierung, der die Kinder schutzlos ausgeliefert sind.
Es ist richtig und gut, daß Eltern und Schule bei der Erziehung und Bildung der Kinder Hand in Hand gehen. Die Eltern müssen sich deshalb darauf verlassen können, daß die Schule ihre Einflußmöglichkeit nicht mißbraucht und eine ideologische Erziehung gegen die Werte des Elternhauses betreibt.
Die Initiative Familienschutz hatte deshalb vor der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl am 18. September 2011 den Kandidaten aller Parteien folgende Frage vorgelegt:
"Erkennen Sie an, daß Sexual- und Werteerziehung um des Kindes willen in erster Linie Recht und Aufgabe der Eltern ist und sprechen Sie sich dafür aus, daß „sexuelle Vielfalt“ in ihrer ganzen scham- und persönlichkeitsverletzenden Bandbreite kein Lehrstoff des Grundschulunterrichtes sein darf?"
Zu dieser Frage haben Sie sich bisher noch nicht oder noch nicht eindeutig geäußert.
Nachdem Sie ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt worden sind, fordere ich Sie gemeinsam mit der Initiative Familienschutz dazu auf, sich dafür einzusetzen, daß die Lehrinhalte und Handreichungen zur Sexualerziehung in Berlin und insbesondere die Unterrichtsmaterialien zur „Sexuellen Vielfalt“ einer grundlegenden Prüfung durch ausgewiesene und unabhängige Experten unterzogen werden und nicht länger von einschlägigen Interessengruppen vorgegeben werden.
Dazu erbitte ich Ihre baldige Stellungnahme.
Antwort
Marion Platta
Die Linke
Lichtenberg 3
Sehr geehrte Frau Beverfoerde,
dass ich Sie enttäuscht habe, muss ich so hinnehmen. Bei meiner Meinung von vor der Wahl bleibe ich aber dennoch. Sie haben jetzt aber die Gelegenheit über die gewählten CDU-Abgeordneten im Parlament Ihre Initiative wieder vorzustellen. Ich hoffe allerdings, dass Sie keinen Erfolg haben, da ich Ihre Auffassung nicht für zeitgemäß halte.
Vielleicht sollten Sie eine Offensive gegen die sexistischen Inhalte mancher Tageszeitung oder diverser TV-Sender starten. Hier sind die Gefährdungen von Kindern eher vorhanden als im Berliner Bildungsprogramm.
mit freundlichen Grüßen
Marion Platta
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Sehr geehrte [...],
vielen Dank für Ihr Schreiben, gern lege ich Ihnen meine Haltung zu den von Ihnen aufgeführten Fragen offen.
Eltern sind auch für mich die wichtigsten Bezugspersonen für die Erziehung der Kinder. Deshalb sind sie es auch, die darüber entscheiden, in welche Schule (öffentlich oder privat) ihre Kinder gehen und nach welcher Methode sie lernen. Ich mache dabei allerdings keinen Unterschied, ob es sich bei den Eltern um die leiblichen, pflegende oder zusammenlebende Menschen handelt. Entscheidend ist für mich, dass die Kinder bei den "Eltern" Fürsorge, Liebe und Geborgenheit finden, die auch Vertrauen und eine Entwicklung zur Selbstbestimmtheit gewährleisten.
Bei Bildungsfragen ist es aber auch wichtig ein hohes Maß an Allgemeinbildung zu vermitteln, eine ganzheitliche Sicht auf die Wirklichkeit zu eröffnen und den Kindern Inhalte verständlich darzubieten. Ich habe mir den Inhalt des Medienkoffers "Familien, Lebensweisen und sexuelle Vielfalt" zur Initiative „Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" auf der Internetseite:
http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/medienforum/titelliste_medienkoffer.pdf?start&ts=1314596159&file=titelliste_medienkoffer.pdf
mit diesem Blick angesehen, der offensichtlich Ihre Ablehnung erfahren hat.
Ich bin davon überzeugt, dass die dort aufgeführten Bücher sehr gut geeignet sind Kindern eine Lebenswelt nahe zu bringen, die sie möglicherweise aus der Sicht der Vater-Mutter-Kind-Familie nicht kennen, die aber ebenso in ihrer Nachbarschaft existieren kann und auch normal ist. Einige der empfohlenen Bücher kenne ich und habe sie selbst (ohne diesen Medienkoffer zu kennen) mit meinen beiden Kindern gelesen. Ich halte keines der beschriebenen Bücher für schädlich für meine Kinder und auch persönlichkeitsverletzend finde ich keines der Bücher.
Wenn Sie sich selbst ein Bild von dem Inhalt der Bücher gemacht haben, schreiben mir bitte doch ganz konkret, welches Buch Sie Ihren Kindern nicht vorlesen oder zum Selberlesen empfehlen wollen, damit ich Sie besser verstehe.
Für mich haben Werte wie Toleranz und Achtung sehr viel mit Kennen und Erkennen zu tun, deshalb ist das Wissen über andere und Anderssein wichtig.
Die Schule kann und soll dazu in der Lage sein dieses Wissen zur Wertebildung zu vermitteln. Schön wäre es allerdings, wenn Eltern mit ihren Kindern gemeinsam und offen diese Themen besprechen. Das Thema Vielfältigkeit der Sexualität war über viele Generationen ein Tabuthema, die Folgen daraus haben vielen Menschen unermessliches Leid gebracht und zwingt heute noch Menschen ihre Heimatländer zu verlassen. Zudem bin ich sicher, dass frühe Aufklärung über Sexualität Kinder auch gegen sexuellen Missbrauch
schützen kann.
Kinder erkennen ihre sexuelle Identität schon im Kleinkindalter und wissen ob sie Mädchen oder Junge sind. Die Erkenntnis ihrer sexuellen Neigung erfahren sie oft erst außerhalb der Grundschule. Dann ist es gut, wenn sie wissen, dass sie Eltern haben, die ihr Kind immer noch lieben und achten, sollte es nicht in das "normale" Rollenspiel passen. Denn es hat trotzdem
ein Recht auf Glück und Gleichbehandlung, das können Sie übrigens auch in unserem Grundgesetz lesen in den Artikeln 2 und 3.
Ich setze mich dafür ein, dass alle Kinder zu offenen und ehrlichen Menschen erzogen werde, die lebensfroh in die Zukunft schauen können ohne Angst und Ausgrenzung.
Deshalb bin ich sehr froh, dass es schon im März 2009 einen einstimmigen Beschluss aller Fraktionen im Abgeordnetenhaus (SPD, CDU, DIE LINKE, Bündnis
90/DIE GRÜNEN, FDP) zum Berliner Aktionsplan gegen Homophobie gegeben hat, dessen Inhalt auch Sie auf der Seite: http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb_ads/beschlussempfehlung_d16_2291.pdf?start&ts=1240226041&file=beschlussempfehlung_d16_2291.pdf nach lesen können.
Als Handlungsschwerpunkte wurden benannt:
1. Bildung und Aufklärung stärken
2. Diskriminierung, Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität bekämpfen
3. Wandel der Verwaltung vorantreiben
4. Erkenntnisgrundlagen verbessern
5. Den Dialog fördern
6. Rechtlicher Gleichstellung bundesweit zum Durchbruch verhelfen
7. Öffentliche Begleitung sichern
Dem Bereich der Bildung hat das Abgeordnetenhaus also eine wichtige Funktion zuerkannt, die auch für die Lerninhalte der Grundschulen wichtig ist.
Die Umsetzungsmaßnahmen des Senates können Sie auf http://www.parlament-berlin.de:8080/starweb/adis/citat/VT/16/DruckSachen/d16-2978.pdf und http://www.parlament-berlin.de:8080/starweb/adis/citat/VT/16/DruckSachen/d16-3903.pdf finden.
Ich hoffe Ihnen meine Haltung hinreichend offenbart zu haben und wünsche Ihnen für Ihre Zukunft (auch mit Kindern) alles Gute.
mit freundlichen Grüßen
Marion Platta
Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus von Berlin
Kandidatin der Partei DIE LINKE für das Abgeordnetenhaus von Berlin
Wahlkreis 3 im Bezirk Lichtenberg
marion.platta@die-linke-berlin.de
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