Antwort von Hermann Gröhe
Initiative
PID stoppen - Selektion verhindern

Frage

bald werden Sie im Bundestag eine Gesetzesentscheidung über Verbot oder Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) treffen.
Dieses Gesetz betrifft nicht nur Eltern, die sich für eine künstliche Befruchtung entscheiden, sondern es hat Auswirkungen auf unser Verständnis vom Rechtsstaat, auf den wir alle als Bürger in diesem Land bisher vertrauen konnten.

Die PID zielt darauf, den durch künstliche Befruchtung entstandenen menschlichen Embryo genetisch zu untersuchen, um eventuelle Erbkrankheiten oder Behinderungen zu erkennen. Je nach Befund wird der Embryo dann in die Gebärmutter eingepflanzt oder aussortiert. Eine Studie der Europäischen Gesellschaft für Humanreproduktion und Embryologie (ESHRE) belegt: Für jedes Kind, das nach PID geboren wird, werden durchschnittlich 33 Embryonen „produziert“ und dann beseitigt, weil sie „Qualitätsanforderungen“ nicht entsprechen.

Damit ist die PID in jedem Falle ein Instrument zur Selektion von Menschen im frühesten Entwicklungsstadium. So verständlich der Wunsch von Eltern ist, ein gesundes Kind zu bekommen, darf dieser Zweck nicht jedes Mittel heiligen. Ich bitte Sie zu verhindern, daß künftig in Deutschland wieder Menschen oder Ethikkommissionen über „lebenswertes“ und „lebensunwertes“ Leben nach bestimmten, letztlich vom Staat gesetzten „Qualitätskriterien“ urteilen.

Die Erfahrungen in Ländern, die die PID zugelassen haben, zeigen leider ausnahmslos, daß die anfangs enge Begrenzung auf wenige schwere Krankheiten und Behinderungen nirgendwo eingehalten worden ist. Es ist absehbar, daß die wachstumsstarke Reproduktionsindustrie und der Druck, möglichst nur gesunde Kinder zu haben, auch bei uns die Ausweitung der PID-Kriterien weiter vorantreiben wird.

Mit der PID wird letztlich nicht Leid, sondern das Kind als "möglicher Schaden" selbst abgewendet. Es gibt aber nur ein Leben, und jeder Mensch muß auch künftig dieselbe Chance auf Leben haben.

Deshalb fühle ich mich als Bürger/Bürgerin von Ihrer Entscheidung ganz direkt betroffen. Ich bitte Sie von ganzem Herzen, sich für ein vollständiges Verbot der PID und den entsprechenden Gesetzentwurf auszusprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort

Hermann Gröhe
Hermann Gröhe
CDU
Neuss I
haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail zur Präimplantationsdiagnostik, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Über Ihren Zuspruch in der Diskussion um die PID habe ich mich sehr gefreut.

In den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, dass sich zahlreiche Mitglieder des Deutschen Bundestages für ein gesetzliches Verbot der PID einsetzen. Sicherlich ist die Frage nach der Zulassung der PID eine besonders schwierige. Nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente für und gegen die PID bin ich zu der Ansicht gekommen, dass diese äußerst umstrittene Methode in Deutschland verboten bleiben soll. Die Antwort auf diese Frage habe ich mir wahrlich nicht leicht gemacht.

Daneben begrüße ich es ausdrücklich, dass im Bundestag von allen Beteiligten mit großem Sachverstand und immer mit dem gebotenen Respekt über die drei Gesetzentwürfe zur PID debattiert wird. Die Diskussion um die PID ist aus meiner Sicht ein Musterbeispiel für eine ertragreiche und faire politische Streitkultur.

Mit freundlichen Grüßen
Hermann Gröhe

[Anmerkung Redaktion AbgeordnetenCheck.de: Der Abgeordnete hat den Gesetzesentwurf für ein striktes Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) unterschrieben.]


hier gesamtes Profil des Abgeordneten sehen

Alle Antworten ansehen

Initiativen Startseite